auf das es immer genügend Idealisten geben wird!

Immer wieder scheint meine Schwärmerei vom Theater die Diskussion loszutreten, ob denn ein subventioniertes Theater überhaupt noch eine Berechtigung hat (mal abgesehen davon, dass ich immer mehr Menschen kennen lerne, die "ernsthafte Berufe" (nicht meine Worte) ausüben und der Meinung sind, dass Schauspiel, Gesang und so weiter nicht dazugehören, höchstenfalls ein Hobby sein dürfen aber keine Arbeit, die auch noch entgolten wird und von der man leben kann!). Meine Argumentation ist noch ein bisschen dünn aber es ist ja auch noch früh am morgen ;)

...mich würde ja mal interessieren, was meine Kollegen antreibt, am Theater zu arbeiten... Vielleicht liest ja der eine oder andere mit und kann meine Neugier stillen (weiter unten ist Platz für viele Kommentare!)
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es die Arbeitszeiten sind... Mir hat neulich jemand gesagt, dass es diese „Theaterleute“ ja eigentlich richtig gut haben. Eh sie am Vormittag mal zum arbeiten anfangen, haben andere schon fast wieder Mittagspause. Das mag stimmen. Dafür werden aber die Bürosessel in der Regel zwischen 17 und 18 Uhr geräumt. Fragt mal „jemanden am Theater“, wie oft er oder sie in der Woche vor 22 Uhr nach Hause kommt. Und mal ganz abgesehen von den Abenden gibt es ja auch noch die Wochenenden und die Feiertage, an denen der Theaterbetrieb läuft, damit alle anderen, die frei haben, ihre Freizeit genießen können.
Wenn es also nach den Arbeitszeiten ginge, gäbe es viele, viele bessere Berufe...
Was kann es dann sein? Die Bezahlung? In den seltensten Fällen.
Die Freude an der Arbeit? Wohl schon eher... Glaube ich zumindest. Anders kann ich es mir nicht erklären.
Neulich hatte ich ein sehr spannendes Gespräch: Ein Bekannter war der Meinung, dass die 6 Stunden Probenzeit am Tag wohl kaum als Arbeit zu sehen sind. Noch dazu gibt es 4 Stunden Mittagspause! Und was passiert schon auf den Proben? Jeder sagt seinen Text auf, tanzt vielleicht ein bisschen und geht dann wieder heim. Wo ist da die Arbeit? Am Ende machen diese Proben wohl auch noch Spaß?! Wahrlich, ein Skandal! - Arbeit die Spaß macht! Und Geld gibt es dafür auch noch!
Tja, was soll man dazu sagen? Ehrlich gesagt wünsche ich es jedem, dass er seinen Lebensunterhalt mit etwas verdienen kann, das ihm Freude bereitet. Stellt euch mal vor, um wie vieles freundlicher die Gesichter in der U-Bahn am Morgen und am späten Nachmittag wären! Schön wäre das...
Ich finde, so lange die Vorstellungen ausverkauft sind, so lange die Menschen gerne ins Theater gehen (es zwingt sie ja niemand...) und es wieder mit dem Gefühl verlassen, einen spannenden und anregenden Abend verbracht zu haben, so lange hat das Theater seine Berechtigung. Und so lange wird es hoffentlich auch Menschen geben, die die notwendige Portion Idealismus besitzen um trotz ungünstiger Arbeitszeiten, schweißtreibender Proben und wenig Privatleben in der Probenzeit, ein wunderbares Theatererlebnis zu produzieren!

In diesem Sinne wünsche ich eine erfreuliche restliche Arbeitswoche!
Euer Ephraim

Kommentare:

  1. Und was wäre geschehen, wenn der arme Ephraim die ganzen Sommerferien über im Zuschauerraum hätte sitzen müssen, ohne Theater, ohne Musik und ohne Futter, also ohne seinen geliebten Honigbrei? Hätte er sich mit den Hunden anlegen müssen, welche nachts die Oper bewachen, um einen Ausgang zu finden? Oder hätte ihn wenigstens ein tierliebender Hausmeister gefunden und seinen Kindern mitgebracht? Dann wäre er jetzt nicht der berühmteste Bär nach Knut. Aber Knut ist mittlerweile zu einem gefährlichen, großen Eisbären geworden, Ephraim bleibt ein mittelgroßer, hellbrauner Teddy-Bär, gut gepflegt, schon seit langem stubenrein, also mit hervorragender Erziehung. Nur hat Ephraim wenige Freunde; aber es scheint, als ob er tatsächlich einen Ausweg aus der Oper gefunden hat, den gefährlichen Hunden der Wach- und Schließgesellschaft entgangen und sogar völlig frei in Wien herumspaziert ist. Er wurde zumindest, so das Gerücht aus dem Orchestergraben, Zuckerwatte verschlingend, erst kürzlich wieder am Prater gesehen. Vorübergehend habe er als Aushilfe bei einem Geisterbahnbetreiber arbeiten müssen, doch die Kette habe ihm zu tief ins Fell geschnitten und so suchte er das Weite. Außerdem war es ihm offenbar zu dunkel, immerhin ist er grelles Scheinwerferlicht der Oper gewohnt! Vielleicht ist er ja zur Staatsoper entkommen.

    Dank meines langen Halses, meines recht hohen Körperbaus und meiner beneidenswerten Beine konnte ich (und ich traute meinen Augen nicht) Ephraim gestern leibhaftig in Schönbrunn vor meinem Gehege vorbeitappen sehen. Ich dachte erst, der Zoo sei auch für uns überraschend geöffnet worden, doch leider sind wir immer noch gefangen. Und das bei dieser Kälte!

    Wenigstens ist Ephraim in Freiheit - ich würde Euch berichten, falls er mich wieder besuchen käme.

    Sulima, eine Giraffe aus dem Schönbrunner Zoo

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  2. Liebe Sulima!
    welch Überraschung! Eine schreibende Giraffe. :) Das freut mich aber. Sag, Du hast nicht zufällig Verwandte in Mexiko, oder? Ich glaube nämlich, da gibt es gemeinsame Bekannte.
    Gerne komme ich Dich wieder besuchen! Dann bring ich Dir einen langen Schal mit, damit Du bei der Kälte nicht frieren musst. Wenn Du noch ein paar Socken oder eine Haube brauchst, sag nur Bescheid.
    Alles Liebe, Dein Ephraim

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